Ansteckende Krankheit: Viren und Würmer im Mobilfunk


15.08.2005

Am 15. Juni war es soweit: Hersteller von Virenschutzprogrammen meldeten Cabir, den ersten Wurm, der Mobiltelefone befällt. Cabir kann sich über Bluetooth auf Nokias Plattform „Serie 60“ verbreiten. Bevor ein Gerät infiziert wird, muß dessen Benutzer erst noch eine Sicherheitsabfrage beantworten. Cabir existiert nur im Labor, nicht in in freier Wildbahn.

Reaktionen

Also alles halb so schlimm? Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Antivirus-Hersteller rechnen seit langem mit einem neuen Markt für ihre Produkte. So hatte McAffee Security bereits vor anderthalb Jahren für 2005 Milliardenschäden durch Viren und Würmer in Mobilfunknetzen prophezeit. Gerätehersteller Nokia sieht hingegen keine Gefahr. Cabir sei eine Konzeptstudie und könne sich nicht weit verbreiten. Wie leicht sich Schaden anrichten lässt, hatte der Hersteller jedoch zuvor mit einer CeBIT-Einladung per SMS demonstriert: Sie brachte die Geräte der Empfänger zum Absturz. Den Nutzern empfiehlt Nokia, vorsichtig zu sein und Sicherheitswarnungen ernst zu nehmen. Ein wenig hilfreicher Tipp, wie unsere Erfahrungen am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) zeigen. Gerade damit sind Benutzer oft überfordert.

Uneins ist sich auch die Presse. Das Fachblatt connect vermutet Sensationsgier und warnt vor Panikmache. Im Profimagazin iX sieht man frühere Warnungen bestätigt und ruft nach Lösungen. Unterdessen denkt die Hackergemeinde darüber nach, was sich mit Handywürmern alles anstellen ließe: 0190-Nummern wählen, SMS-Spam verschicken oder auch Notrufe lahmlegen.

Gefahr im Verzug?

Die Gefahr einzuschätzen fällt nach wie vor schwer. Erfahrungen aus dem Internet lassen sich nicht ohne weiteres auf andere Plattformen und Netzarchitekturen übertragen. Gewiss ist: Mobile Endgeräte sind verwundbar. Smartphones werden immer komplexer und enthalten schon deshalb zunehmend Fehler und Sicherheitslücken. Obwohl Viren und Würmer nur Endgeräte befallen, können sie Auswirkungen auf das gesamte Netz haben. Zum einen hat die Ausbreitung selbst Nebenwirkungen, zum Beispiel zusätzlicher Netzverkehr, zum anderen können Würmer weiteren Programmcode mitführen, etwa für verteilte Denial-of-Service-Angriffe. Es gibt noch viele Unbekannte. Wie schnell könnten sich Würmer in realen Netzen verbreiten? Welche Kanäle außer Bluetooth kommen dafür in Betracht? Wie lassen sich Angriffe rechtzeitig erkennen? Welche wirksamen Gegenmaßnahmen stehen im Notfall zur Verfügung?

Fazit

Der Forschungsbedarf in Sachen Viren und Würmer im Mobilfunk ist groß. Am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) arbeiten Forscher aus unterschiedlichen Blickwinkeln an Lösungen: Sicherheitsmechanismen für mobile Systeme, Sicherheitsmanagement und Human Factors. Mit Virenscannern allein ist es nicht getan. Nötig sind integrierte Konzepte zum Schutz der Netze und ihrer Nutzer.


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Autor

  • Sven Türpe

    Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

Sven Türpe arbeitet im Fraunhofer SIT Security-Testlabor und als Software-Entwickler im EU-Projekt UNITE. Sein Fokus liegt in der Forschung über Evaluierungsmethoden innerhalb der IT-Sicherheit.




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