Case Study: Datensicherung steht unter einem guten Stern

Autor: Janka Kreißl
Eingetragen seit: 06/2007
Letzter Beitrag: 01/2008
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1898 fuhr Ernst Schoemperlen mit einem der ersten Autos Deutschlands durch die engen Straßen von Karlsruhe und versetzte damit Fußgänger und Pferde in Aufregung. Doch davon ließ sich Schoemperlen nicht abschrecken: Noch im selben Jahr errichtete er in seiner Heimatstadt eine Automobil-Centrale. Einige Jahre später half der Autopionier einem anderen Fahrer weiter, der mit einer Panne am Straßenrand stand: Walter Gast. Gemeinsam gründeten beide 1908 die Firma „Schoemperlen und Gast“. 90 Jahre später wurde daraus die „S&G Automobil Aktiengesellschaft“, und Pannen kann sich der älteste Mercedes-Benz-Vertragspartner der Welt heutzutage keine mehr leisten. Für die Sicherung der Unternehmensdaten setzt S&G deshalb den Time Navigator von Atempo ein, der neben zuverlässigen Backup- auch umfangreiche Archivierungsfunktionen bietet.



An insgesamt elf Mercedes-Benz Standorten in Baden-Württemberg sowie weiteren fünf in Sachsen-Anhalt sind über 1300 Mitarbeiter für den Mercedes-Großvertreter S&G tätig. 700 davon haben direkten Zugriff auf das Computer-System. Ihre Daten landen nach der Eingabe am lokalen Rechner direkt in der Zentrale in Karlsruhe, wo circa 40 Serversysteme in einer so genannten Lampertz-Zelle betrieben werden. Dieser spezielle Sicherheitsraum schützt die Rechner vor äußeren Gefahren wie Feuer, Überschwemmung oder manueller Gewalt. Über Glasfaserkabel werden die Daten an einen Datensicherungsserver in einem separaten Gebäude auf dem Gelände übertragen, wo dann die Speicherung auf Bänder und Platten erfolgt.

Bis zum Sommer des vergangenen Jahres wickelte die S&G ihre Datensicherung über den IBM Tivoli Storage Manager ab, doch durch die Einführung von SAP-Anwendungen sahen sich die Verantwortlichen Problemen gegenübergestellt. „Damit unsere Lösung die SAP-Daten gesichert hätte, wäre eine Nachlizenzierung notwendig gewesen“, erläutert Stefan Gössel, Leiter des Rechenzentrums. „Diese hat uns jedoch unter dem finanziellen Aspekt nicht zugesagt, weshalb wir uns nach Alternativen umgeschaut haben. Unser Hardware-Lieferant empfahl uns dann die Software von Atempo und vermittelte den Kontakt.“ Nachdem sie sich in einem Referenz-Unternehmen angeschaut hatten, wie die Datensicherung mit dem Time Navigator abläuft, entschieden sich die IT-Verantwortlichen für die Atempo-Software. Obwohl auch diese eine Sicherung der SAP-Datenbank MAXDB ursprünglich nicht unterstützte, war das Nachrüsten kein Problem. „Wir haben das zusätzliche Modul unseren Anforderungen entsprechend bestellt, und Atempo hat es innerhalb kurzer Zeit entwickelt und nachgeliefert“, erläutert Gössel.

Die Installation des Time Navigators in der Version 4.0 übernahm ein Techniker des Softwareanbieters, der das System im Juli 2006 innerhalb von zwei Tagen implementierte. Nach seiner Einweisung konnten die beiden IT-Administratoren von S&G alle Daten von ihrem bisherigen Server selbständig migrieren. „Knapp einen Monat später waren wir mit den wichtigsten Komponenten umgezogen, ab dann wurden nur noch kleinere Anwendungen importiert“, erinnert sich Stefan Gössel, der die Systemumstellung im Nachhinein als „völlig unproblematisch“ bewertet. Obwohl er und seine Kollegen bereits nach der ersten Einweisung reibungslos mit den Grundfunktionen des neuen Systems umgehen konnten, nahmen sie einige Monate später nochmals an einer Administratorenschulung teil. „Nachdem wir uns mit den Basics auskannten, wollten wir auch tiefer gehende Fragen beantwortet haben, um den kompletten Funktionsumfang des Systems kennen zu lernen“, begründet Stefan Gössel diesen Schritt.



Momentan verwenden er und sein Kollege nur die reinen Datensicherungsfunktionen des Time Navigators - inzwischen mit der Version 4.1 -, doch sollte einmal Bedarf an weiterführenden Anwendungen wie beispielsweise Archivierungs-, Reporting oder Replikationsfunktionen bestehen, sind die IT-Verantwortlichen mit dem nötigen Wissen gerüstet.

Im Vordergrund steht derzeit die Sicherung der SAP-Daten, die durch die neue Software problemlos möglich ist. Durch Klassifizierungen bestimmen die Administratoren, welche der Daten aus Anwendungen wie Word, Excel oder Outlook wie gesichert werden müssen. So ist zum Beispiel auch die Bewertung von über 900 Gebrauchtwagen in einer Datenbank erfasst, deren Verlust, beispielsweise durch einen Systemausfall, nur durch einen erheblichen personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwand zu beheben wäre.

„Wir haben derzeit einen Datenbestand von circa 1,5 Terabyte und ein jährliches Wachstum von bis zu 20 Prozent. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, dass wir die Daten in den kurzen Zeitfenstern, die uns zur Verfügung stehen, zuverlässig sichern können“, betont Stefan Gössel. Die Online-Zeit für die Anwender ist werktags von 6 Uhr morgens bis 0.30 Uhr nachts, so dass Backups nur innerhalb dieser fünfeinhalb Stunden stattfinden können und daher stufenweise ablaufen. So werden bestimmte Daten jede Nacht komplett gesichert, andere hingegen nur inkrementell und immer nur am Wochenende komplett. Trotz dieser unterschiedlichen Backups kann jederzeit ein genauer Datensatz zur Wiederherstellung identifiziert und abgerufen werden. Die Administratoren können in der Zeit zurücknavigieren und mit wenigen Mausklicks alle Daten von einem sekundären Medium wie Tape oder Platte abrufen.

Natürlich sei das System – wie jede Neuerung – anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, resümiert Gössel. Auch beim SAP-Modul sieht er noch Optimierungsmöglichkeiten, manche Funktionen seien noch etwas umständlich in der Handhabung. Doch die Vorteile überwiegen für den IT-Administrator: „Neben der generell sehr guten Funktionalität des Systems waren auch die Kosten für uns ausschlaggebend“, so Stefan Gössel. „Durch die Volumenlizenzierung bezahlen wir nur die Datenmenge, die wir tatsächlich sichern.“ Sollte sich die Infrastruktur von S&G einmal ändern und neue Server, Betriebssysteme oder Datenbanken hinzukommen, passt sich das Atempo-Modell dem Datenvolumen an. Größtmögliche Sicherheit bei hoher Flexibilität und minimalem Risiko – eine überzeugende Formel für das Karlsruher Unternehmen, das seiner Zeit schon einmal um eine Autolänge voraus war.

06/2007, Janka Kreißl



Die Autorin ist Freie Fachjournalistin in Augsburg mit Spezialisierung auf den Bereich Informationstechnologie. Neben ihrer journalistischen Ausbildung hat die 30-Jährige Erfahrung in den Bereichen Personalschulung und Coaching.
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