Die Qual der Wahl – den richtigen Spam-Filter finden


15.04.2005

Während der Bundestag über das Anti-Spam-Gesetz streitet, bleibt nach jüngsten Studien fraglich, ob die Gesetzgebung überhaupt etwas gegen den elektronischen Werbemüll ausrichten kann. Die meisten Unternehmen verlassen sich lieber auf die Technik und versuchen, dem Problem mit Spam-Filtern Herr zu werden. Doch obwohl fast jedes Unternehmen mittlerweile irgendeine Filterlösung einsetzt, sind längst nicht alle mit dem Ergebnis zufrieden.

Von Hand nacharbeiten kostet bares Geld

Wie wichtig eine gute Anti-Spam-Lösung ist, belegte kürzlich die Studie des kalifornischen Marktforschungsinstitutes Ferris Research: Demnach beläuft sich der Schaden, den das Sichten, Kategorisieren und Aussortieren unerwünschter Mails verursacht, weltweit auf rund 50 Milliarden US-Dollar jährlich.

Die Studie fand dabei nicht nur heraus, dass der Löwenanteil dieser Kosten entsteht, weil die Mitarbeiter ihre Postfächer von Hand nach Müll durchforsten müssen. Ihre Arbeitsleistung leidet auch dann, wenn wichtige elektronische Nachrichten von falsch eingestellten Spam-Filtern abgefangen werden.

Gütekriterium Erkennungsrate?

Die Zahl verschiedener Anti-Spam-Lösungen, die den Unternehmen für die Sicherung ihrer Systeme und das Management der täglich eintreffenden E-Mail-Flut angeboten werden, ist groß. Der IT-Administrator hat die Qual der Wahl. Doch worauf kommt es bei einem Spam-Filter an?

Das populärste Gütekriterium, mit dem die meisten Hersteller ihre Anti-Spam-Lösungen anpreisen, ist die Spam-Erkennungsrate. Je mehr Spam abgefangen wird, desto besser der Filter, so lautet das allgemeine Credo. Der Marktdurchschnitt für die Erkennungsrate liegt derzeit bei 85 bis 95 Prozent. Die aussortierten E-Mails werden je nach Wunsch in einen oder verschiedene separate Ordner verschoben, wo der Kunde auf sie zugreifen kann. Doch eine hohe Spam-Erkennungsrate allein macht noch lange keinen guten Filter aus.

Problem False Positives

Viel wichtiger ist, dass die erwünschten E-Mails auch weiterhin sicher zugestellt werden. Selbst eine Erkennungsrate von 100 Prozent löst das Spam-Problem nämlich nicht, wenn dabei gleichzeitig eine Reihe geschäftsrelevanter Post fälschlicherweise im Spam-Ordner landet. Die Rede ist von der False-Positive-Rate, die im Marktdurchschnitt etwa 0,05 Prozent beträgt. Einige Hersteller werben sogar noch mit einer False-Positive-Rate von unter einem Prozent.

Das mag zwar auf den ersten Blick als akzeptable Größe erscheinen. Betrachtet man aber das E-Mail-Volumen großer Unternehmen, bei denen eine Million eingehender E-Mails pro Tag durchaus üblich sind, werden die drastischen Folgen einer solchen vermeintlich guten False-Positive-Rate schnell deutlich: Ein Prozent bedeutet hier 10 000 Nachrichten pro Tag, die versehentlich ausgefiltert werden – und damit 10 000 E-Mails pro Tag, die, obwohl sie eventuell wichtige Informationen enthalten, ihre Empfänger nicht erreichen. Selbst der „gute“ marktübliche Wert von 0,05 Prozent würde immer noch zu 500 irrtümlich ausgefilterten E-Mails führen.

Über die Reichweite der möglichen Schäden lässt sich nur spekulieren. Im Zweifelsfall lassen sie sich nur dadurch vermeiden, dass alle ausgefilterten E-Mails noch einmal manuell nach False Positives durchsucht werden. Dann aber ist der Einsatz eines Spam-Filters letztendlich kontraproduktiv. Schlimmer noch, die Kosten wären gegebenenfalls noch höher als bei einem gänzlichen Verzicht auf eine Filterlösung.

Auch Schnelligkeit heißt Qualität

Wichtig, vor allem in Hinsicht auf die Kosten, sind auch die Prüfgeschwindigkeit des Spam-Filters und die damit einhergehenden Ressourcenanforderungen. Die häufig angepriesenen mehrstufigen Analysen oder bayesischen Verfahren verursachen einen enormen Rechenaufwand pro E-Mail. Welche Rechenzeit ein Spam-Filter verursacht, der zum Beispiel nach bestimmten Wörtern im Nachrichtentext sucht, ist leicht zu verstehen. Man muss sich nur vor Augen halten, wie viele verschiedene Schreibweisen Spammer allein für das Wort Viagra verwenden.

Das heißt besonders für größere Unternehmen: Filter, die auf diesen Verfahren beruhen, erfordern oft zusätzliche und kostspielige Hardware-Anschaffungen, um den notwendigen Maildurchsatz zu erreichen.

Administration kostet wertvolle Arbeitszeit

Nicht zuletzt sollte entscheidend sein, welchen administrativen Aufwand ein Spam-Filter erfordert. Viele der marktüblichen Angebote benötigen eine ständige manuelle Pflege, um Filterregeln, weiße oder schwarze Listen zu aktualisieren, und das kostet wertvolle Arbeitszeit. Bei manchen Produkten muss der IT-Administrator sogar den Filter selbst trainieren; häufig ist auch eine manuelle Nachkontrolle durch Quarantänesysteme notwendig.

Filter mit einer hohen Zahl ständig neu definierbarer Filterkategorien oder beeindruckendem Funktionsumfang bieten damit nur scheinbar den besten Service. Ob solche Anti-Spam-Produkte letztendlich überhaupt Arbeitszeit einsparen, ist sehr fraglich. Eine optimale Lösung darf vielmehr nach der ersten Installation und Konfiguration vom Kunden keinen, zumindest fast keinen administrativen Aufwand mehr erfordern. Der Nutzen eines guten Filters besteht schließlich darin, dass sich das Unternehmen am besten gar nicht mehr mit dem Thema Spam befassen muss. Dann hat ein Spam-Filter auch den Namen „Lösung" verdient.


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Autor

  • Ragna Vivian Rothe

    eleven GmbH

Unternehmenskommunikation eleven GmbH




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