Aber viel mehr noch. Mithilfe der Monte-Carlo-Analyse kann nun ermittelt werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Projekt in einer bestimmten Dauer oder mit bestimmten Kosten abgeschlossen werden kann. Hierzu werden in einem Software-Tool die Projektdauern und –kosten mit zufällig gewählten Schätzungen für die einzelnen Arbeitspakete berechnet. Dieser Prozess wird 5000 oder mehr Mal iteriert. Dadurch wird eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über die Projektdauer bzw. die Projektkosten ermittelt.
Das Diagramm in Abbildung 3 zeigt ein Projekt, das mit einer Wahrscheinlichkeit von 47% in 200 Tagen abgeschlossen wird und mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 90% in 210 Tagen. Das selbe kann wiederum auch für die Kostenseite durchgeführt werden.
Ein weiteres Beispiel zeigt die Wichtigkeit von Risikomanagement für das Treffen korrekter Entscheidungen. Angenommen ein Projektleiter wird während des Projektes aufgefordert, die Laufzeit um drei Wochen zu verkürzen.
Ein nicht unbedingt sehr seltenes Szenario. Es ist nun die Aufgabe des Projektmanagers zusammen mit dem Team Maßnahmen zu ermitteln, die dies ermöglichen. Durch sogenanntes Crashing, also dem parallelen Arbeiten mehrerer Ressourcen an einem Arbeitspaket kann beispielsweise in manchen Fällen eine Beschleunigung herbeigeführt werden. Angenommen, das Team hat fünf Aktivitäten identifiziert, die über Crashing verkürzt werden können. Ohne die Berücksichtigung von Risiken könnte eine schematisierte Entscheidungsmatrix aussehen wie in Abbildung 4. Der Einfachheit halber sind die Aktivitäten hier nur als Buchstaben angegeben, die Dauer in Wochen und die Kosten in T€.
Um eine Verringerung der Dauer um drei Wochen zu erreichen würde die Wahl — unter Berücksichtigung der entstehenden Zusatzkosten — hier auf das Crashing der Aktivitäten H und D fallen, da dabei die geringsten Zusatzkosten entstehen 5T€ (4T€ + 1 T€) bei einer Zeiteinsparung von genau 3 Wochen (2 + 1).
Nun hat das Team allerdings zusätzlich die entstehenden Risiken ermittelt. Das Ergebnis ist in Abbildung 5 zu sehen.
Nun ist zu erkennen, dass die Wahl H und D dem Projekt einen zusätzlichen Risiko-Score von 13 hinzufügt. Die Wahl von K jedoch nur 2. Dafür fallen im Fall K Zusatzkosten von 14 T€ an. Es muss hier im Einzelfall entschieden werden, ob die Erhöhung der Kosten die Reduktion des Risikos rechtfertigt. Die Berücksichtigung von Risiken hat demnach deutlichen Einfluss auf strategisch korrekte Entscheidungen. Es muss im Interesse des Managements sein, Risiken in Projektentscheidungen mit einzubeziehen.
Risikomanagement ist ein fundamentaler Bestandteil des Projektmanagements und sollte in keinem Projekt fehlen. Nur so können fundierte und nachhaltige Entscheidungen getroffen werden. Absolutes Muss ist Vertrauen. Vertrauen des Management in die neutrale Schätzung der Mitarbeiter und Vertrauen der Mitarbeiter in das Management, dass offengelegte Risiken oder revidierte Schätzungen nicht gegen sie verwendet werden. Risikomanagement kann nur im angstfreien Raum erfolgreich sein.
Vorlagen zum Thema Risikomanagement können unter http://www.ayonik.de/projektmanagementvorlagen kostenfrei heruntergeladen werden.
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