Was ist Social Engineering?
Von Social Engineering spricht man immer dann, wenn ein Angreifer, z.B. für Zwecke der Industriespionage, menschliche Eigenschaften ausnutzt um an Informationen zu kommen. Social Engineering Angriffe sind leider eine extrem effiziente Methode zur Informationsbeschaffung und zwar ohne Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Angreifer nutzen dafür natürliche menschliche Reaktionen aus, positive Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Kundenfreundlichkeit, Dankbarkeit, Stolz auf die Arbeit und das Unternehmen oder weniger positive Aspekte wie Gutgläubigkeit, Respekt vor Autoritäten oder gar Bestechlichkeit und auch Eigenschaften wie Konfliktvermeidung und Liebesbedürfnis und der Wunsch, ein guter Teamplayer zu sein.
Oft werden solche Angriffe in Verbindung mit einem Einbruch in das Firmennetz verwendet, z.B. indem auf diese Weise Benutzername und das Passwort eines Mitarbeiters erschlichen werden oder indem das Imitieren eines Telecom-Technikers für ein Eindringen auf das Werksgelände genutzt wird.
Social Engineering kann mit Gesprächen im Wirtshaus beginnen, in denen ein Mitarbeiter Vertrauliches ausplaudert (vielleicht erzählen sie stolz, an welchen Angeboten sie derzeit arbeiten), oder über Anrufe beim Empfang oder einer Sekretärin als Mitarbeiter einer anderen Niederlassung, bis hin zum Vorstand, der einem (falschen) Journalisten gern ein Interview über Zukunftspläne des Unternehmens gibt.
Im Kern vieler dieser Aktivitäten steht die Legitimierung des Angreifers als Kollege oder als Vorgesetzter (auch z.B. einer anderen Niederlassung), als bestehender Kunde des Unternehmens (der sein Passwort vergessen hat), als Mitarbeiter eines Service-Unternehmens, als Journalist oder als Mitarbeiter eines Umfrage-Instituts.
Dabei wird ein routinierter Angreifer schrittweise und systematisch vorgehen. Er kontaktiert verschiedene Leute im Unternehmen und spürt sehr schnell, wer für welchen Angriff anfällig ist. Von jedem der Mitarbeiter bekommt er einige neue Zusatzinformationen, die er beim nächsten Anruf wiederum als Mittel zur Vertrauensbildung einsetzen kann.
Die Schutzmöglichkeiten
Traditionelle Schutzkonzepte (auch in den Büchern von Kevin Mitnick) gehen davon aus, dass es ausreichend ist, wenn das Unternehmen klare und stringente Sicherheitsregeln aufstellt und diese den Mitarbeitern vermittelt, wie z.B.
Aber die Realität sieht dann zumeist trotzdem anders aus: die Bildschirme sind unversperrt („ich werde doch meinen Kollegen vertrauen können“), das Abräumen der Schreibtische ist viel zu mühsam und wenn hinter mir noch jemand durch das Werkstor will, dann gebietet doch schon die Höflichkeit, dass ich ihm oder ihr die Tür aufhalte. Passworte werden sehr wohl auf Zuruf zurückgesetzt, wenn der Kollege nur genügend Druck macht und auf das dringende Projekt hinweist, das heute Abend noch erledigt werden muss. Und nach kurzer Zeit dürfen Gäste auch wieder allein auf dem Werksgelände „herumstreunern“.
Das heißt, die Regeln sind zwar gut, aber der Wunsch, den Kollegen vertrauen zu können, die Bequemlichkeit, die Kundenfreundlichkeit, die Höflichkeit der Mitarbeiter untergräbt die Regeln sehr schnell wieder. Strenge Regeln, die aber in „Notsituationen“ nicht anwendbar sind, helfen niemandem, sondern verlagern das Problem und den Konflikt zwischen Einhaltung der Regeln und Kundenfreundlichkeit (Höflichkeit, Bequemlichkeit, „gute Kinderstube“, Respekt vor Autoritäten) nur auf den Mitarbeiter.
Die Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung beim Verhindern von Social Engineering liegt darin, dass viele der menschlichen Eigenschaften, die der Angreifer ausnutzt, auch für das Unternehmen sehr erwünscht sind. So ist die Hilfsbereitschaft eine Voraussetzung für Kundenfreundlichkeit, Vertrauen in andere Menschen zu setzen ist eine Voraussetzung für das Arbeiten in einer Gruppe und im Team.
Ein Problem entsteht immer dann, wenn die Mitarbeiter nicht wissen
Das heißt, traditionelle Schutzversuche beschränken sich zumeist auf das Aufstellen von fixen Regeln, deren starre Einhaltung die betroffenen Mitarbeiter häufig in einen Konflikt zwischen dem Bedürfnis, die Unternehmensregeln einzuhalten und dem Wunsch, den eigenen ethischen und moralischen Grundsätzen zu folgen, stürzt.
Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitern gleichzeitig Kundenfreundlichkeit und Einhaltung der Regeln, lassen ihre Mitarbeiter dann aber oft mit dem daraus resultierenden Konflikt allein. Die Mitarbeiter verfügen zumeist nicht über eine ausreichende Sensibilisierung in Bezug auf die angewandten psychologischen 'Tricks', um im konkreten Fall entscheiden zu können, ob ein Angriff vorliegt.
Neue Schutzkonzepte
Dies bedeutet, dass der Schutz vor Social Engineering auf mehreren Ebenen stattfinden muss:
D.h. der Schutz erfordert vernünftige Regeln und Prozeduren, eine gute technische Unterstützung, Vorgesetzte auf die sich der Mitarbeiter verlassen kann, aber auch eine geeignete Sensibilisierung und vor allem gezieltes Training der Situation mit dem Kunden, z.B. mittels Rollenspielen.
Alle Unternehmen, für die Social Engineering ein Thema ist (und das sollten alle sein, die mit vertraulichen Informationen arbeiten), müssen sich fragen, wo bei Ihnen die möglichen Angriffspunkte liegen, wie Ihre Mitarbeiter auf solche Situation vorbereitet sind und wie sie die Mitarbeiter gegen solche Angriffe „abhärten“ können. Workshops mit den Betroffenen, auf denen auch alte Vorfälle endlich mal zur Sprache kommen, sind ein erster Schritt, gefolgt von einem Cocktail von gezielten Maßnahmen.
Mehr Informationen und vor allem auch Links zu weiterführender Literatur gibt es auf meiner Website http://sicherheitskultur.at/social_engineering.htm
Bitte beachten Sie unsere Informationen zum Datenschutz.
blog comments powered by Disqus© 2012 FEiG & PARTNER