Nachdem im ersten Teil der Nutzen des Kartenspiels für die externe Kommunikation in Form von Messe Promotion unseres Agenturkunden GiT beschrieben wurde, geht es im folgenden um die Optimierung der internen Kommunikation eines Finanzdienstleisters und eben um das Schlagwort
Security-Awareness.
Unser Kunde, der ungenannt bleiben möchte, wurde Anfang 2005 aufgrund der zahlreichen positiven Medienberichte über das Virusquartett auf uns aufmerksam. Er stand kurz vor der Einführung einer sehr umfangreichen Security-Policie. Die Implementierung sollte, um Aufmerksamkeit und Akzeptanz bei den Mitarbeiten (Anzahl im unteren vierstelligen Bereich) zu erzielen, durch eine Plakatkampagne begleitet werden. Die Realisation dieser Kampagne wurde über die Köpfe der für die Security-Policie verantwortlichen IT-Abteilung hinweg durch das unternehmensinterne Marketing an die Hausagentur delegiert.
Kurz vor dem geplanten Launch konnten die IT-Verantwortlichen die Unternehmensführung von der mangelnden Kompatibilität der Kampagnen mit ihren ursprünglichen Zielen überzeugen. Diese würde in ihrer Intention ganz offen mit allzu moralischen Bildern arbeiten, die zu sehr auf Droh- bzw. Bestrafungsszenarien (im Falle der Nichteinhaltung der Policie) setzen.So wurden die 8 Entwürfe, an denen mehr als ein halbes Jahr gearbeitet wurde, eingestampft.
Die Aufgabe: Erste Hilfe auf Low-Budget-Basis
Als Ersatz wurde known_sense ins kalte Kampagnen-Wasser geworfen. Nach dem Briefing ging es uns in etwa so, wie man es z.Z. von der gesamten deutschen Ärzteschaft vernehmen kann: Man kommt mit einer Tasche voller neuer, schöner und scharfer Skalpelle in eine Ambulanz mit nahezu unheilbaren Patienten, die dazu über keinerlei Kassenbonität verfügen. Denn die ziemlich schnörkellos gestellte Aufgabe lautete in etwa: "Entweder ihr gestaltet uns innerhalb von nicht ganz vier Wochen eine kommunikative Begleitung der Policie-Implementierung, z.B. auf Basis des bereits vorhanden Kartenspiels, oder wir geben die Unterlagen ganz ohne Rahmenkampagne aus." Oder anders: Wie erzeugt man angesichts der knappen Zeitressourcen eine sinnvolle Belebung der Mitarbeiter-Kommunikation?
Eine Belebung, die zu einem konstruktiven Feedback an die Policie-Produzenten führt? Eine, die auch speziell diesen hilft, das Security-Management dynamisch weiter zu entwickeln? Das alles zu einem Etat, der aufgrund der bereits verworfenen Kampagne auf knapp 20% der ursprünglichen Summe eingedampft war.
Step 1: Basis erspüren und Propaganda-Felder aussäen
Was war also zu tun? Wir konnten und mussten nicht lange über Konzepte nachdenken und "mischten" uns nach und zwischen den Briefings zunächst 2 halbe Tage lang unter die Mitarbeiterschaft, loteten deren Arbeitsräume aus, beobachteten die Menschen en passant bei ihren Jobs und ihrer Kommunikation und unterhielten uns auf einer zunächst ganz unverbindlichen Ebene mit Ihnen, z.B. in der Mensa oder während der Kaffee- und Zigarettenpausen. Anschließend luden wir sie kurzfristig und ganz offiziell zu Workshops ein und erarbeiten nach einem Warm-up, bei dem u.a. auch das Virusquartett erstmals vorgestellt wurde, gemeinsam mit ihnen auf Basis der Policie erste Entwürfe für Leitsätze zur Security-Kultur des Unternehmens. Denn die Policie beschrieb sehr ausführlich, wer was wie und wann zu tun oder zu lassen hat - man hatte allerdings vergessen, die essentiellen Inhalte auf Kernsätze zu fokussieren, die auch außerhalb der IT-Abteilung verstanden und umgesetzt werden konnten, die memorierbar sind und sich darüber hinaus auch innerhalb verschiedener Medien einer begleitenden Kampagne als Claims bzw. Slogans eigneten.
Step 2: Visuelle Brücken schaffen Aufmerksamkeit
Die durch die IT-verantwortlichen und Unternehmensführung bearbeiteten Leitsätze publizierten wir gemeinsam mit Verweise auf die ausführlichere Darstellung in der Policie im Rahmen eines kleinformatigen, aber auffällig gestalteten Leporellos, der in der Verpackung des Virusquartetts an jeden Mitarbeiter ausgegeben wurde. Hierbei kam uns der enge Zeitrahmen sehr entgegen, denn die jeweiligen Abnahmen durch die Entscheider wurden ungewohnt kurzfristig erledigt.
Während synchron hierzu die Policie über das Intranet publiziert wurde, suchten wir als Vertriebsort für das Spiel mit Leporello eine Location aus, die jeder Mitarbeiter wenigstens einmal pro Woche aufsucht: Die unternehmenseigene Mensa, in der unser Tool gemeinsam mit Essensmarken ausgegeben wurde. Hier erhielten Spiel und Leitsätze eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit als bei einem Vertrieb über Auslage an den jeweiligen Arbeitsplätzen. Denn dort hätte sich das Produkt der Konkurrenz aktueller Jobprojekte oder stets verfügbarer Medien wie Inter- und Intranet erwehren müssen.
Als visuelle Reminder wurden darüber hinaus Auszüge aus den Leitsätzen als so genannte "Security-Tags" auf den gebrandeten Kartenrückseiten des Virusquartetts und in der Woche des Launchs auch auf Essensmarken und Mensa-Tischsets gedruckt. Die typographisch markanten und visuell durchaus attraktiven Tags waren unverwechselbar mit den Leitsätzen und der Implementierung der Policie verknüpft und erhielten so einen gewissen Logo-Charakter. Wir druckten die Tags auch auf einem Laserdrucker auf A-4-Seiten aus, die wir innerhalb des Unternehmens verteilten, indem wir sie an schwarze Bretter hefteten oder an belebten Locations kommentarlos mit Tesafilm an Wände und Türen klebten.
So wurde eine Brücke zwischen den Arbeitsräumen, dem Spiel und der damit verknüpften Policie geschaffen, die auf die (wenn auch unbewusste Wahrnehmung) der neuen Sicherheitsstandards abzielte - eine Maßnahme, die angesichts des geringen Etats eine kostengünstige, aber durchaus effiziente Alternative zu einer neuen, wahrscheinlich auch weitaus aufwendigeren Plakatkampagne darstellte.
Nachdem das Spiel von nahezu allen Mitarbeitern äußerst positiv aufgenommen worden war, implementierten wir eine Online-Variante innerhalb des Intranets. Die Sieger der Online-Trumpfspiele wurden geranked. Die Motivation, zu spielen und (in möglichst kurzer Zeit) zu gewinnen wurde durch die Unternehmensleitung noch forciert, indem für Wochen- und Monatsbeste spontan attraktive Incentives ausgelobt wurden. Und auch im Intranet fungierten die bereits eingeführten Security-Tags als Reminder, quasi in Form assoziativer Illustration (in Sinne einer rein visuellen Duftmarke) ohne tatsächlichen inhaltlichen Kontext in Bezug auf die einzelnen Text-Beiträge.
Step 3: Integration des Unternehmensumfelds
Dass Security-Kultur eines Unternehmens auch außerhalb der räumlichen Basis wirkt, wissen vor allem diejenigen, die intensiv auf Mitarbeiter mit mobilem Equipment setzen. Mitarbeiter, die ihre mobilen Geräte auch zuhause oder unterwegs in Hotels bzw. bei Kunden nutzen. Security kann eben nicht wie ein Ausweis oder Schlüssel beim Verlassen der Firma an Werkspforten abgegeben werden. Und so, wie mobile Geräte aus den Unternehmen um den Globus geschickt werden, verbreite sich auch das Virusquartett bei Familien, Freunden, Kunden oder Geschäftspartnern unseres Kunden und erweckte Neugier. Aus diesem Grund wurde in Step 3 auf ausdrücklichen Wunsch der Mitarbeiterschaft eine 2. Auflage des Kartenspiels produziert, aus der jeder Mitarbeiter eine Hand voll Spiele ausdrücklich an sein privates wie geschäftliches Umfeld abgeben konnte - wohlgemerkt nicht als klassisches Giveaway mit hohem Streufaktor und entsprechendem Werbewert, aber immerhin (quantitativ) mit einer ausreichenden Quote und (qualitativ) mit sichtbarer Leidenschaft, die auch das Umfeld spüren ließ, dass das Unternehmen Security-Kultur nun intensiver lebte als zuvor.
So wurde aus einem Instrument, das zunächst ausschließlich für den internen Einsatz vorgesehen war, Schritt für Schritt ein (wenn auch limitiertes) Promotionstool, eine Dynamik, über die - exakt umgekehrt - bereits im ersten Teil dieser Story berichtet wurde.
Da known_sense diese Awareness-Maßnahme bisher lediglich als Kreationsinkubator begleitet hat, können wir an dieser Stelle keine verbindliche Auskunft über einen möglichen messbaren Erfolg abgeben. Dass man bei unserem Kunden durchaus von einem Erfolg ausgeht, beweist die aktuelle Anfrage, die Kampagne in Kürze fortzusetzen - diesmal glücklicherweise nicht als Notaufnahme, sondern in Form einer Prophylaxe mit dem beruhigenden Wissen um die (relative) Gesundheit des Patienten.
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